Pelvines Stauungssyndrom

Chronische Beckenschmerzen, die durch Krampfadern der Eierstock- und Gebärmuttervenen entstehen. Häufiger betroffen sind Frauen im gebärfähigen Alter nach Schwangerschaften; die Erkrankung wird nach wie vor zu selten erkannt.

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Wie entsteht es?

  • Reflux: Die Venenklappen der Eierstockvenen oder der inneren Beckenvenen schließen nicht mehr richtig – oft nach Schwangerschaften, durch das stark erhöhte Blutvolumen und die Erweiterung der Venen.
  • Abflussbehinderung: Eine Einengung der linken Nierenvene (Nussknacker) oder der linken Beckenvene (May-Thurner) erschwert den Abfluss und zwingt das Blut, Umgehungswege durch das Becken zu nehmen.
  • Eine Kombination aus beidem, was häufig vorkommt.

Diese Beckenkrampfadern können mit den Venen von Vulva, Damm und Beinen in Verbindung stehen und dort untypische Krampfadern verursachen.

Symptome

  • Schmerzen oder Schweregefühl im Becken seit mehr als sechs Monaten, die sich im Stehen, am Abend und vor der Periode verstärken.
  • Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr.
  • Schmerzhafte oder starke Regelblutungen.
  • Schmerzen in der Leiste, an den Innenseiten der Oberschenkel oder im unteren Rücken.
  • Krampfadern an Vulva, Damm oder Beinen mit ungewöhnlicher Verteilung, oft nach einer Schwangerschaft.
  • Bei Kompression der Nierenvene Blut im Urin, manchmal nur im Labortest sichtbar.

Diagnose

  1. Gezielte Anamnese und Ausschluss anderer Ursachen gemeinsam mit der Gynäkologie.
  2. Duplex-Ultraschall über die Bauchdecke und transvaginal: zeigt die Beckenkrampfadern, ihre Größe und den Reflux.
  3. MRT oder CT, um mögliche Venenkompressionen zu untersuchen.
  4. Phlebographie, idealerweise mit IVUS, um die Diagnose zu bestätigen und die Behandlung zu planen.

Behandlung

EmbolisationIst ein Reflux der Eierstock- oder Beckenvenen die Ursache, werden diese über einen in eine Vene eingeführten Katheter von innen mit Coils, Verödungsschaum oder Plugs verschlossen.

VenenstentIst eine Kompression die Ursache, wird ein Stent eingesetzt, der den Blutfluss wiederherstellt und das Becken entlastet.

Eine systematische Übersichtsarbeit aus 21 Fallserien und einer Studie mit insgesamt 1.308 Frauen ergab nach der Embolisation eine deutliche Schmerzlinderung bei rund 75 %, die in der Regel anhielt oder sich mit der Zeit noch verstärkte. Komplikationen waren selten (Coil-Verlagerung bei unter 2 %), und es wurden keine negativen Auswirkungen auf Menstruation oder Fruchtbarkeit beobachtet, wobei die Autoren die Evidenzqualität als niedrig einstufen und weitere Studien fordern.

Der Eingriff erfolgt in örtlicher Betäubung mit Sedierung, ohne Schnitt, und die Erholung ist schnell. Vorübergehende Beckenbeschwerden in den ersten Tagen sind üblich.

In der Clínica Rotger behandeln wir diese Erkrankung regelmäßig, und ich leite die Fortbildungs-Workshops zur Diagnostik und Behandlung abdominaler und pelviner Venenerkrankungen für andere Fachärzte.

Krampfadern an Vulva und Beinen mit Ursprung im Becken

Erweiterte Beckenvenen können über sogenannte pelvine Leckpunkte mit den Venen von Vulva, Damm, Innen- oder Rückseite des Oberschenkels und Gesäß verbunden sein. Diese Krampfadern treten oft nach einer Schwangerschaft auf oder verschlimmern sich und erklären viele Beinkrampfadern, die nach einer Operation wiederkehren.

Wird ihr Ursprung im Becken nicht erkannt, kann die Behandlung der Beine scheitern. Bei untypischen Krampfadern untersuche ich deshalb auch das Becken mit Duplex-Ultraschall und behandle – je nach Beschwerden – den Leckpunkt (mit Schaum oder Mikrophlebektomie) oder die Beckenvenen durch Embolisation.

Die SVP-Klassifikation

Seit 2021 werden pelvine Venenerkrankungen nach der SVP-Klassifikation eingeteilt, die von einer internationalen Expertengruppe vorgeschlagen wurde. Sie beschreibt drei Aspekte: die Symptome (S), die Varizen (V) im Becken sowie an Vulva und Beinen und die Pathophysiologie (P): welche Venen betroffen sind, ob ein Reflux, eine Abflussbehinderung oder beides vorliegt, und die Ursache. So wird nichts übersehen und für jede Patientin die passende Behandlung gewählt.

Und beim Mann?

Das männliche Gegenstück zu den Beckenkrampfadern ist die Varikozele, die ebenfalls durch einen Reflux der Gonadenvene oder eine Kompression der linken Nierenvene entstehen kann.

Häufige Fragen

Warum sind die Schmerzen im Stehen, am Abend und vor der Periode stärker?

Im Stehen sammelt sich das Blut durch die Schwerkraft in den erweiterten Beckenvenen, und die hormonellen Veränderungen im Zyklus weiten die Venen zusätzlich. Deshalb bessern sich die Schmerzen meist im Liegen.

Ist das dasselbe wie Endometriose?

Nein, auch wenn beide chronische Beckenschmerzen verursachen und gleichzeitig vorliegen können. Deshalb sollte die Gynäkologie andere Ursachen ausschließen, bevor die Schmerzen den Beckenkrampfadern zugeschrieben werden.

Beeinflusst die Embolisation die Periode oder die Fruchtbarkeit?

In der maßgeblichen systematischen Übersichtsarbeit mit 1.308 Frauen wurden keine negativen Auswirkungen auf Menstruation oder Fruchtbarkeit beobachtet, wobei die Evidenzqualität niedrig ist.

Ist die Embolisation schmerzhaft?

Sie erfolgt in örtlicher Betäubung mit Sedierung, über eine Venenpunktion und ohne Schnitt. Vorübergehende Beckenbeschwerden in den ersten Tagen sind üblich.

Behandeln Sie auch Patienten, die nicht auf Mallorca wohnen?

Ja. Sie können mir Ihre Befunde senden: Ich prüfe sie vorab und wir führen eine erste Videosprechstunde durch. So funktioniert es.

Videos zu diesem Thema (auf Spanisch)

Literatur

  • Daniels JP, Champaneria R, Shah L, Gupta JK, Birch J, Moss JG. Effectiveness of embolization or sclerotherapy of pelvic veins for reducing chronic pelvic pain: a systematic review. J Vasc Interv Radiol. 2016;27(10):1478-1486.
  • Meissner MH, Khilnani NM, Labropoulos N, et al. The Symptoms-Varices-Pathophysiology classification of pelvic venous disorders: a report of the American Vein & Lymphatic Society International Working Group on Pelvic Venous Disorders. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord. 2021;9(3):568-584.
  • De Maeseneer MG, Kakkos SK, Aherne T, et al. European Society for Vascular Surgery (ESVS) 2022 Clinical Practice Guidelines on the Management of Chronic Venous Disease of the Lower Limbs. Eur J Vasc Endovasc Surg. 2022;63(2):184-267.

Verfasst und geprüft von Dr. Óscar Merino Mairal, Chefarzt der Abteilung für Angiologie und Gefäßchirurgie der Clínica Rotger (Palma). Approbationsnummer 070834930, Ärztekammer der Balearen. Organisator und Leiter der Workshops der Clínica Rotger zur Diagnostik und Behandlung abdominaler und pelviner Venenerkrankungen (fünf Ausgaben seit 2025; die siebte im Jahr 2027 wird international). Mein Werdegang. Zuletzt geprüft: Oktober 2026.

Patienteninformation, geprüft von Dr. Óscar Merino, Gefäßchirurg. Sie ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung.

Dr. Óscar Merino im Operationssaal

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Sprechstunde mit Duplex-Ultraschall in der Clínica Rotger im Zentrum von Palma.