Beckenvenenerkrankung beim Mann

Varikozele

Die Varikozele ist eine Erweiterung der Venen, die das Blut aus dem Hoden ableiten – fast immer auf der linken Seite. Sie ist das männliche Gegenstück zu den Beckenkrampfadern und lässt sich in den meisten Fällen ohne Operation durch eine Embolisation behandeln.

Ist sie häufig?

Sehr. Sie findet sich bei 10–20 % der Männer und tritt typischerweise links auf: In einer Serie von 225 behandelten Patienten lag sie bei 97 % auf dieser Seite. Häufiger ist sie auch bei Männern mit Fruchtbarkeitsproblemen: bei rund 40 % derjenigen, die wegen primärer Unfruchtbarkeit ärztlichen Rat suchen, und bei 80 % derjenigen mit sekundärer Unfruchtbarkeit.

Wie entsteht sie?

  • Reflux: Die Klappen der linken Gonadenvene (Hodenvene) schließen nicht richtig, und das Blut fließt zurück in Richtung Hodensack. Diese Vene mündet im rechten Winkel in die linke Nierenvene – deshalb ist meist die linke Seite betroffen.
  • Kompression: Bei manchen Männern ist ein Nussknacker-Syndrom die Ursache. Die linke Nierenvene ist eingeengt, und das Blut weicht über die Gonadenvene aus, die sich erweitert.

Eine ausschließlich rechtsseitige oder bei einem Erwachsenen plötzlich auftretende Varikozele erfordert den Ausschluss anderer Ursachen im Bauchraum.

Symptome

  • Oft keine: Sie wird bei einer Kontrolluntersuchung oder einer Fruchtbarkeitsabklärung entdeckt.
  • Schweregefühl oder dumpfer Schmerz im Hoden, der sich im Stehen, bei Anstrengung und am Abend verstärkt und im Liegen bessert.
  • Eine weiche Schwellung oberhalb des Hodens, die manchmal mit einem „Wurmsack“ verglichen wird.
  • Auffälliges Spermiogramm oder Schwierigkeiten, ein Kind zu zeugen.
  • Bei Jugendlichen ein Hoden, der kleiner ist als der andere.

Diagnose

  1. Untersuchung im Stehen und mit dem Valsalva-Manöver (Pressen wie beim Stuhlgang).
  2. Duplex-Ultraschall des Hodensacks: bestätigt die erweiterten Venen und den Reflux.
  3. Spermiogramm und Beurteilung durch Urologie oder Andrologie bei Kinderwunsch.
  4. Bei Verdacht auf eine Kompression der Nierenvene Duplex-Ultraschall des Bauches und CT- oder MR-Angiographie.

Wann wird behandelt?

Nicht jede Varikozele muss behandelt werden. Eine Behandlung kommt in Frage, wenn sie Schmerzen verursacht, die sich mit einfachen Maßnahmen nicht bessern, bei Unfruchtbarkeit mit auffälligem Spermiogramm oder – bei Jugendlichen – wenn der betroffene Hoden nicht mehr wächst. Die Entscheidung wird gemeinsam mit der Urologie getroffen.

Behandlung: Embolisation ohne Operation

Über eine Venenpunktion (am Hals, am Arm oder in der Leiste) wird in örtlicher Betäubung ein Katheter bis zur Gonadenvene vorgeschoben, die von innen mit Coils oder einem Verödungsmittel verschlossen wird. Am Hodensack gibt es keinen Schnitt, und die Erholung ist schnell.

In einer Serie von 225 Männern, die über fünfzehn Jahre behandelt wurden, war die Embolisation in 96 % der Fälle technisch erfolgreich; Komplikationen traten bei 1,8 % auf, keine davon schwer, und ein im Ultraschall bestätigtes Wiederauftreten lag bei 6 % der nachkontrollierten Patienten. Die Embolisation ist auch dann eine gute Option, wenn eine Varikozele nach einer Operation wiederkehrt.

Ist die Varikozele Folge einer Kompression der Nierenvene (Nussknacker), wird die Behandlung anders geplant, da die Gonadenvene als Ausweichweg dient. Deshalb sollte vor der Behandlung das gesamte Venensystem untersucht werden.

Häufige Fragen

Beeinträchtigt die Varikozele die Fruchtbarkeit?

Sie ist bei unfruchtbaren Männern häufiger und kann die Spermienqualität verschlechtern, doch viele Männer mit Varikozele sind fruchtbar. Deshalb wird eine Behandlung aus Fruchtbarkeitsgründen anhand eines Spermiogramms und gemeinsam mit der Urologie entschieden.

Kann sie ohne Operation behandelt werden?

Ja. Die Embolisation erfolgt über eine Venenpunktion in örtlicher Betäubung, ohne Schnitt am Hodensack.

Kann sie wiederkommen?

Ja, in einem kleinen Prozentsatz der Fälle – sowohl nach Embolisation als auch nach Operation. Tritt sie erneut auf, lässt sie sich meist wieder endovaskulär behandeln.

Besteht ein Zusammenhang mit dem Nussknacker-Syndrom?

Bei manchen Männern ja: Die Kompression der linken Nierenvene behindert den Abfluss, und das Blut weicht über die Hodenvene aus. In diesen Fällen muss die Ursache abgeklärt und behandelt werden.

Literatur

  • de Grae MNM, Al-khattab M, Alkadhimi A, et al. A fifteen-year retrospective analysis of varicocele embolization: evaluating success, recurrence rates and embolic agents. CVIR Endovasc. 2025;8:59.
  • Ramasamy R. Percutaneous embolization: a viable treatment option for varicocele. Basic Clin Androl. 2014;24:10.
  • Ananthan K, Onida S, Davies AH. Nutcracker syndrome: an update on current diagnostic criteria and management guidelines. Eur J Vasc Endovasc Surg. 2017;53(6):886-894.

Verfasst und geprüft von Dr. Óscar Merino Mairal, Chefarzt der Abteilung für Angiologie und Gefäßchirurgie der Clínica Rotger (Palma). Approbationsnummer 070834930, Ärztekammer der Balearen. Organisator und Leiter der Workshops der Clínica Rotger zur Diagnostik und Behandlung abdominaler und pelviner Venenerkrankungen (fünf Ausgaben seit 2025; die siebte im Jahr 2027 wird international). Mein Werdegang. Zuletzt geprüft: Oktober 2026.

Patienteninformation, geprüft von Dr. Óscar Merino, Gefäßchirurg. Sie ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung.

Dr. Óscar Merino während eines endovaskulären Eingriffs

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